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Vergleichender Expertenbericht: Berufliche Weiterbildung

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Vergleichender Expertenbericht: Berufliche Weiterbildung 2017-08-24T15:23:36+00:00

Hauptmerkmale und Ausprägungen der dualen Berufsbildungssysteme Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz

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Kapitelübersicht
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 3.1. Berufliche Weiterbildung

In allen Vergleichsländern bestehen vielfältige Möglichkeiten und Zugänge zu einer beruflichen Weiterbildung und Höherqualifizierung nach der Erstausbildung. Dabei bilden traditionelle Meisterqualifikationen eine Gemeinsamkeit zwischen den vier Ländern. Darüber hinaus sind formale und informelle Weiterbildungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich organisiert und strukturiert, wobei die CH mit der „Höheren Berufsbildung“ die stärkste Strukturierung der beruflichen Weiterbildung aufweist. Über Modelle der Berufsmatura/Berufsmaturität (in DE nur in einigen Bundesländern und bestimmten Fachbereichen als Berufsabschluss und Abitur) wird zunehmend auch die Durchlässigkeit in den akademischen Tertiärbereich gefördert.

AT

  • Wege der formalen beruflicher Höherqualifizierung für Lehrabsolventinnen und -absolventen sind insb.:
  • Meisterschulen & Meisterprüfungen
  • Werkmeisterschulen und -prüfung
  • Fachhochschulstudium
  • Abendschulen
  • Fachakademien/Berufsakademien

Allerdings ist die Grenze zwischen formaler und non-formaler Weiterbildung und Höherqualifizierung nicht immer eindeutig zu ziehen. Insb. Fachakademien und Berufsakademien wären eher dem non-formalen Bereich zuzurechnen. Die Meisterprüfung ist bspw. als berufliche Weiterbildung die höchste Qualifikationsform im Handwerk. Mit dem Titel „Meister“ dürfen Handwerker/innen selbstständig Betriebe führen und Lehrlinge ausbilden. Es besteht zwar keine verpflichtende Vorbildung für die Meisterprüfung, tatsächlich verfügen jedoch fast alle Prüfungskandidat/innen über eine facheinschlägige Lehre sowie Berufspraxis. Für Bachelorstudien an Fachhochschulen besteht auch für Personen ohne Matura eine Zulassungsmöglichkeit, wenn eine facheinschlägige Berufsausbildung und Berufspraxis nachgewiesen werden kann. I.d.R. werden außerdem zusätzliche Prüfungen verlangt. Die Aufnahmebedingungen werden von der jeweiligen Fachhochschule festgelegt.

Postsekundäre/tertiäre Berufsbildung in Österreich

CH

Die formale Höherqualifizierung ist Aufgabe der Höheren Berufsbildung. Sie umfasst einerseits ein zweistufiges Prüfungssystem und andererseits die Höheren Fachschulen.

Die Vorbereitung auf die Berufsprüfung ermöglicht Fachkräften nach der beruflichen Grundbildung und dem Erwerb von Berufserfahrung eine erste fachliche Vertiefung bzw. Spezialisierung. Wer eine Berufsprüfung erfolgreich besteht (es gibt rund 230 davon) erhält einen eidgenössischen Fachausweis.

Dieser ist i.d.R. auch eine Bedingung für die Zulassung zur höheren Fachprüfung. Die höhere Fachprüfung qualifiziert Personen ebenso wie die Meisterprüfung zu Branchenexpertinnen und -experten, für Leitungspositionen oder zum selbstständigen Führen eines Geschäftes und schließt mit einem rechtlich geschützten Diplom ab. Zurzeit gibt es rund 170 Höhere Fachprüfungen.

Bildungsgänge an höheren Fachschulen erfordern als Zulassungsvoraussetzung ein EFZ, fördern Kompetenzen im Bereich Fach- und Führungsverantwortung und schließen mit einem rechtlich geschützten Diplom ab.

Die Berufsmaturität eröffnet dem Zugang zu Bachelorstudien an Fachhochschulen, mit dem Besuch einer einjährigen Passerelle auch denjenigen zu den universitären Hochschulen.

Die höhere Berufsbildung

DE

  • Die berufliche Höherqualifizierung wird durch verschiedene Möglichkeiten der Aufstiegsfortbildung gesichert, insb.:
  • Handwerks- oder Industriemeister
  • Fachwirt/in
  • Fachkaufmann/-frau

Der Industriemeister ist bspw. eine bundeseinheitlich organisierte Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Voraussetzung ist eine facheinschlägige Berufsausbildung und ausreichend Berufspraxis (nach Fachrichtung unterschiedlich geregelt). Der Industriemeister qualifiziert ebenso wie der Handwerksmeister zu leitenden Tätigkeiten in den jeweiligen Berufsfeldern. Die Weiterbildung zum/zur Fachwirt/in entspricht im kaufmännischen Bereich der handwerklichen Meisterausbildung und ist dieser rechtlich gleichgestellt. Die Prüfung zum/zur Fachkaufmann/-frau ist eine IHK-Weiterbildungsprüfung für kaufmännische und verwaltende Berufe und erfordert eine dreijährige Berufspraxis.

Aufstiegsfortbildung und Studium

Fachwirt

Das Weiterbildungs-Informations-System

 3.2. Akteure: Rollen und Verantwortlichkeiten

Die institutionelle Verantwortung für die berufliche Höherqualifizierung unterscheidet sich in den einzelnen Ländern erheblich und ist sehr unterschiedlich stark reguliert. Während es in DE nur eine sehr schwache Regulierung der Höherqualifizierung gibt, im Wesentlichen aber die IHK und HWK auf regionaler Ebene zentrale Akteure sind, orientiert sich in AT die institutionelle Zuständigkeit sehr stark an den Zuständigkeiten bei der beruflichen Erstausbildung. In der CH bestehen mit der „Höheren Berufsbildung“ auch sehr klare institutionelle Verantwortungsbereiche, die sich mit den Zuständigkeiten für die berufliche Grundbildung decken.

AT

Die Zuständigkeit und Verantwortung für die formale Höherqualifizierung liegen im Wesentlichen bei den Institutionen, die auch für die berufliche Erstausbildung verantwortlich sind. Auf Bundesebene sind das v.a. das BMWFW für Angebote der Fachhochschulen und die Meisterqualifikationen und das BMB für schulische Angebote. Daneben sind v.a. im Bereich der Meisterqualifikationen die Fachorganisationen der Wirtschaftskammer verantwortliche Akteure. Auch im Bereich neuerer Entwicklungen wie Berufs-/Fachakademien liegt die Zuständigkeit bei den Fachorganisationen der Wirtschaftskammer sowohl auf bundes- als auch auf regionaler Ebene. Auf regionaler Ebene sind insb. im Bereich schulischer Angebote und der finanziellen Förderungen auch die Länder verantwortliche Träger beruflicher Höherqualifizierung. Im Bereich der Meisterqualifikationen sind die Meisterprüfungsstellen der Wirtschaftskammern der jeweiligen Bundesländer für die Administration zuständig.

Vet in Europe – Country report – Austria

CH

Die Höhere Berufsbildung wird wie die berufliche Grundbildung vom Bund geregelt, bei der Definition der Inhalte und der Anforderungen genießen aber die OdA, die jeweils auch die Einrichtung eines Lehrgangs vorschlagen, große Freiheit. Bei der Weiterbildung sind die Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen geteilt. Laut BBG müssen Kantone für ein bedarfsgerechtes Angebot an berufsorientierter Weiterbildung sorgen. Der Bund ist hauptsächlich für Transparenz, Koordination und Kooperation zuständig und unterstützt insb. arbeitsmarktrelevante Angebote (Arbeitslose, Wiedereinstieg).

DE

Die Höherqualifizierung ist insgesamt nur schwach reguliert, allerdings besteht seit 1975 in allen Bundesländern ein Weiterbildungsgesetz: Dieses enthalten auf Landesebene strukturpolitische Aussagen zur Weiterbildung und definieren Bedingungen für staatliche Anerkennung von Weiterbildungsinstitutionen. Außerdem sind Grundsätze der Zuschussgewährung an Weiterbildungseinrichtungen enthalten. In der beruflichen Höherqualifizierung ist auf regionaler Ebene (Bundesländer) v.a. die IHK ein zentraler Akteur als Anbieter der wichtigsten Aufstiegsqualifizierungen.

Vet in Europe – Country report – Germany

 3.3. Finanzierung

Die Finanzierung der beruflichen Weiter- und Höherqualifizierung ist in den Vergleichsländern recht unterschiedlich gestaltet. Während in der CH Weiterbildung weitgehend privat und durch Betriebe finanziert wird, spielen in DE und AT Förderungen sowohl für Bildungsteilnehmer/innen als auch für Betriebe eine größere Rolle. Die Finanzierungsmöglichkeiten sind dabei sowohl vom gewählten Weiterbildungsprogramm als auch vom jeweiligen Anbieter abhängig.

AT

Die Finanzierung ist abhängig von der jeweiligen Bildungsmaßnahme und erfolgt durch die öffentliche Hand, die Bildungsteilnehmer/innen und die Betriebe.

Angebote an Schulen (z.B. Kollegs, Abendschulen für Berufstätige), tw. an Hochschulen sowie Arbeitsmarktqualifizierung werden Großteils von der öffentlichen Hand finanziert, andere Formen (Vorbereitung auf Meisterprüfungen, Werkmeisterschulen) von Teilnehmer/innen und/oder Unternehmen getragen.

Durch unterschiedliche Maßnahmen (z.B. Bildungskarenz) und Förderungen (z.B. Zuschüsse, Steuererleichterungen) werden die Teilnehmer/innen durch die öffentliche Hand bei der Finanzierung (zum Teil über das AMS) unterstützt. Eine Studie aus dem Jahr 2008 errechnet folgende Verteilung der WB-Finanzierung: Rund 38 % durch AMS, knapp 31 % Betriebe, ca. 20 % private Aufwendungen, 12 % öffentlich.

Lebenslanges Lernen in Österreich

CH

CVET wird weitgehend privat finanziert.

Neben den Teilnehmenden selbst leisten Betriebe einen großen Beitrag. Für einen großen Teil der Erwachsenen ist es schwierig, die Höherqualifizierung selbst zu finanzieren, bestimmte Maßnahmen sind ohne finanzielle Unterstützung kaum realisierbar. Deshalb leisten die Kantone und tlw. auch der Bund Beiträge an die Höhere Berufsbildung und ein weiterer Ausbau ist geplant. Für die Weiterbildung hingegen gibt es außer der Kofinanzierung durch Arbeitgeber so gut wie keine Unterstützungsangebote.

Unter dem Stichwort „Nachfrageorientierte Finanzierung“ werden Modelle entwickelt, die gezieltere, erwachsenengerechte Weiterbildungsförderung anstreben. Im Zentrum sollen dabei nicht die Angebote, sondern die Nachfragenden stehen. Die finanziellen Mittel würden nicht als Subventionen an Weiterbildungsanbieter fließen, sondern an Personen, die sich weiterbilden wollen.

Skills beyond School Review of Switzerland

Nachfrageorientierte Förderprogramme

DE

CVET wird gemeinschaftlich durch Betriebe, Teilnehmer/innen und öffentliche Hand finanziert („Mischfinanzierung“).

Es besteht eine gesetzlich verankerte Förderung des Lebensunterhalts von Weiterbildungsteilnehmer/innen (v.a. Förderung nach Aufstiegsfortbildungsgesetz). Daneben bekommen Förderprogramme, öffentliche Stipendien (z.B. Bildungsprämie durch Bildungsministerium) zunehmende Bedeutung. Fast alle Bundesländer finanzieren Programme zur Förderung der CVET-Teilnahme. Das größte Fördervolumen hat die BA für von Arbeitslosigkeit betroffene/bedrohte Personen.

Berufliche Weiterbildung in Deutschland

Finanzierung beruflicher Weiterbildung in Deutschland

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