Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) diskutierte am 1. Oktober 2019 im Wissenschaftszentrum Bonn mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus Deutschland und Partnerländern über „Neue Arbeit“ und ihre Auswirkungen auf die berufliche Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ).

Praxisorientierte Berufsbildung schafft Zukunftsperspektiven für Menschen in Entwicklungsländern. Da sich die Arbeitswelt aufgrund globaler und technologischer Entwicklungen weltweit rasant wandelt, steht auch die berufliche Bildung vor neuen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund lud das BMZ rund 60 Expertinnen und Experten ins Wissenschaftszentrum Bonn ein, um zu diskutieren, wie sich die berufliche Bildung angesichts der dynamischen Veränderungen von Arbeitsmärkten und Qualifizierungsbedarfen zukunftsorientiert aufstellen kann.

Verschiedene Dimensionen

Albert Nsengiyumva, Generalsekretär der bei der AfDB angegliederten Association for Development of Education in Africa (ADEA), wies auf die große Bedeutung des informellen Sektors in vielen Partnerländern hin. Digital gestützte Bildungsangebote bieten das Potenzial, passgenau auf die Bedarfe von marginalisierten Gruppen zu reagieren. Dr. Shyamal Majumdar, Leiter von UNESCO-UNEVOC, beschrieb die Potenziale der Plattformökonomie für Entwicklungsländer und wies gleichzeitig auf die Herausforderung der Regulierung hin. Diese sei zentral, um dem Entstehen eines prekären digitalen Arbeitsmarktes entgegenzuwirken. Nidhi Batra, zuständig für internationale Zusammenarbeit bei der indischen National Skills Development Corporation (NSCD), betonte die Bedeutung von beruflicher Bildung im Zeitalter des digitalen Wandels und im Zuge zunehmender globaler Migrationsbewegungen. Ndakolute S. Abraham, Lernexperte für die GIZ in Namibia, stellte in seinem Beitrag dar, wie sich Kompetenzanforderungen in der Berufsbildung diversifiziert haben. Standen früher vor allem klassische Fachkompetenzen im Fokus, erweitert sich das Spektrum um digitale Kompetenzen, soft skills und die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens. Parallel hierzu entsteht eine Vielfalt an digitalen Instrumenten wie durch künstliche Intelligenz unterstützte Lernmanagement-Systeme, die das Lernen erleichtern können. Allerdings sind diese aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen bei digitaler Infrastruktur und digitalen Kompetenzen nicht für jede/n zugänglich.

Innovative Ideen für die Berufsbildung der Zukunft

Inspiriert durch insgesamt fünf Impulsreferate diskutierte das Fachpublikum im Anschluss in Arbeitsgruppen verschiedene Aspekte des Themas. Ergebnis der Diskussionen war eine Sammlung von Best Practices und Empfehlungen für die Weiterentwicklung von Berufsbildungsansätzen in der EZ. Diskutiert wurden beispielsweise eine stärkere Berücksichtigung von innovativen Finanzierungsmodellen mit Beiträgen der Privatwirtschaft, die Nutzung von Blockchain-Technologien zur Erhöhung von Transparenz und Vertrauen im Bereich von Bildungszertifikaten und die Nutzung von Big Data zum besseren Monitoring von Arbeitsmarktentwicklungen. Eine wichtige Erkenntnis war, dass die Kooperation mit der Privatwirtschaft und anderen Akteuren – und damit die Governance beruflicher Bildung – weiterhin eine zentrale Rolle spielt.

Bei der anschließenden gemeinsamen Diskussion der Ergebnisse im Plenum bestand Einigkeit, dass der digitale Wandel und die Digitalisierung der Arbeitswelt einen maßgeblichen Einfluss auf die berufliche Bildung haben, und digitale Technologien mehr und mehr zu einem integralen Bestandteil der Aus- und Weiterbildung werden (müssen). Hierbei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass chancengerechte und qualitativ hochwertige Bildung nach wie vor das Leitmotiv sein muss, um zukunftsfähige Beschäftigungschancen für alle in der Arbeitswelt von heute und morgen zu schaffen.

“Keep on Moving”

Das Expertenforum ist Teil eines Ende 2018 vom BMZ gestarteten Diskussionsprozesses zum Thema “Neue Arbeit” und berufliche Bildung. Neben mehreren Fachgesprächen liefert das im September 2019 veröffentlichte Thesenpapier zu Neuer Arbeit und ihren Auswirkungen auf die berufliche Bildung in der EZ   eine Basis für die konzeptionelle Weiterentwicklung der Ansätze der beruflichen Bildung.